Sonntag, 7. Juni 2015

Hamburg, Augsburg und dann?

Vergangenen Donnerstag wurde eine stillende Mutter in Hamburg vom Busfahrer aufgefordert das Fahrzeug zu verlassen oder mit dem Stillen aufzuhören - das Ganze über Mikrofon und weil sich eine ältere Dame beschwert hatte. Ich gehe davon aus, dass die Mutter so diskret wie möglich gestillt hat, zumindest war es bis zu diesem Zeitpunkt wohl noch keinem der anderen Fahrgäste aufgefallen und ich kenne nun wirklich keine Mutter, die mal eben in der Öffentlichkeit blank zieht.

Zwei Tage später erfahren wir dass das Bekleidungsgeschäft New Yorker in Augsburg ebenfalls eine stillende Mama des Ladens verwies. Hier gab es noch nicht einmal eine Beschwerde, sondern es wurde vorsorglich "weil es da mal eine Beschwerde wegen so etwas gab" gehandelt, um andere Kunden nicht zu belästigen. Anscheinend war auch der Filialleiterin die Angestellte wichtiger als die Kundin, sonst hätte sie sich nicht auf die Seite ihrer Mitarbeiterin geschlagen und von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht.

In welcher Welt leben wir, wo pöbelnde Jugendliche, alkoholisierte Fahrgäste und Knoblauch-, Parfum- und sonstige Schwaden in den öffentlichen Verkehrsmitteln hingenommen werden, aber eine Mutter, die lediglich Grundbedürfnisse ihres Kindes befriedigt derartig bloßgestellt wird? 
Wo es keinen stört wenn im Sommer die Shorts und Röcke einem breiteren Gürtel gleichen und das Dekolleté bis zum Bauchnabel reicht, aber eine Mutter dafür verurteilt wird, dass sie ihrem Kind Nahrung und Flüssigkeit zukommen lässt. 

Ich dachte bisher, dass inzwischen allgemein bekannt ist, dass Muttermilch und somit das Stillen die natürlichste Sache der Welt ist. Nicht umsonst empfiehlt die WHO Vollstillen bis zum 6. Lebensmonat und im Anschluss ein begleitendes Stillen neben der Beikost bis zum 2. Lebensjahr. Hätten die betroffenen Mütter in der jeweiligen Situation ihrem Kind die Flasche gegeben, hätte sich mit Sicherheit keiner daran gestört.

Auch weiß ich nicht was mich mehr schockiert - der Busfahrer mit seiner Bloßstellung der Mutter gegenüber oder die vielen Fahrgäste, von denen keiner die Zivilcourage hatte sich auf die Seite der Mutter zu stellen. Im Gegenteil, verärgert über die Wartezeit wurde die Mutter auch von dieser Seite weiter unter Druck gesetzt

Ich frage mich "Was kommt morgen?"
Und wie lange dauert es noch bis sich jemand daran stört dass ich die kleinste Maus stille - auf dem Supermarktparkplatz, in der Stadtbücherei, auf dem Trödelmarkt,.. überall da wo die kleinste Maus eben ein Hunger- oder bei diesen Temperaturen Durstgefühl überkommt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen